Von der heilenden Kraft des Scheiterns und Nichtwissens. Luk Perceval im Gespräch.

© Reinhard Winkler
(Abb. Genehmigung Presseabteilung Thalia Theater Hamburg) © Reinhard Winkler (Abb. Genehmigung Presseabteilung Thalia Theater Hamburg)

„Mich hat es nie wirklich interessiert, Sicherheit im Leben zu haben, mir war es immer viel wichtiger, eine innere Freiheit zu haben. Dass ich über mein Leben selbst entscheiden kann.“

Die „innere Freiheit“ hat Luk Perceval, der sagt, auf einem Schiff aufgewachsen zu sein, stets vorangetrieben, sich immer wieder auf neue Flusswege einzuschiffen und dabei die offene Weite im Blick zu behalten. Sie hat ihn als jungen Schauspieler und zweifachen Vater aus dem sicheren Hafen einer Festanstellung am Antwerpener Nationaltheater hinaus in das Wagnis der Gründung und Leitung einer freien Truppe getrieben. Doch dieser rebellische Akt war es auch, der die Theaterwelt rasch auf ihn aufmerksam gemacht hat. Nach vielen Jahren als tonangebender und leitender Regisseur an deutschen Staatstheatern, zuletzt und noch am Thaliatheater Hamburg, empfindet LP jetzt das dringende Bedürfnis, den Kreis sich runden zu lassen, zurück in seinen Ursprungshafen Antwerpen zu ziehen und dort neu anzusetzen. Mit einem kleinen Ensemble frei von den budget- und erfolgsorientierten Anforderungen eines Stadttheaters, und einem Freiraum für junge SchauspieleranwärterInnen, in dem sie freudiges Vertrauen in ihre Intuition und Kreativität und begeisternden Mut zum Scheitern lernen können, anstatt die im aktuellen Theaterbetrieb vorherrschende Angst und Demütigung zu ertragen und fortzuschreiben. Jenseits von selbstgefälligem Applaus- und Beruhigungstheater sieht LP das Theater als einen Ort der Nähe und Begegnung für Theatermacher und Publikum. Dort sollen – im Unterschied zu Politik und Religion – gerade keine Antworten geliefert werden, sondern die Kraft des Nichtwissens, der Langsamkeit, des Altseindürfens, des Scheiterns und des Schweigens erfahren werden dürfen. Im Theater gehe es um Katharsis: „Wenn es wirklich gut ist, hat man danach Lust zu leben, zu lieben, zu feiern und zu teilen.“

Im nächsten Marathon der “ Trilogie meiner Familie: Liebe – Geld – Hunger“ am 14. Januar 2018 um 16:00 im Thalia Theater Hamburg lässt sich das ausprobieren.

„Eigentlich sollte man als Zuschauer völlig inspiriert nach Hause gehen und sagen, ich möchte auch spielen mit meinem Leben.“ 

„Ich finde nichts spannender als schweigende Schauspieler auf der Bühne.“

„Auf den Schauspielschulen sollte viel größerer Wert auf alles gelegt werden, was die Intuition und den Kontakt mit sich selbst fördert – weg vom Mentalen. Und das hat viel mit dem Körper zu tun. Deshalb biete ich Yoga an. Wie finden sie einen freudigen Weg zur Kreativität? … Das hat mich auch zu einem anderen Regisseur gemacht, weil ich dadurch gelernt habe, alles, was ich vorbereitet habe, ab dem Moment, wo ich mit den Schauspielern im Proberaum bin, erst einmal zur Seite zu schieben und zu warten – und zu sagen: ich weiß es nicht, an die Kraft des Nichtwissens zu glauben.“

„Um uns zu heilen, brauchen wir die Stille.“

„Theater ist Schreiben im Sand“.

„Wenn es wirklich gut ist, hat man danach Lust zu leben, zu lieben, zu feiern, zu teilen.“

„Ich finde es viel spannender, etwas zu vermuten und zu suchen.“

„Wir brauchen eine Ausbildung im Scheitern.“

 

 

Aufführungs/Produktionsdaten „Liebe – Geld – Hunger. Trilogie meiner Familie“ Thalia Theater Hamburg:

Regie
Luk Perceval
Bühne
Annette Kurz
Kostüme
Ilse Vandenbussche
Musik
Lothar Müller
Licht
Mark Van Denesse
Dramaturgie
Susanne Meister
Jeroen Versteele
Darsteller
Stephan Bissmeier (Dr. Pascal/Roubaud/Direktor)
Barbara Nüsse (Félicité/Frau Lorillieux/ Leichenbesorger/ Madame Goujet/Graf Muffat/Bonnemort)
Marie Jung (Clotilde/Catherine)
Oda Thormeyer (Martine/Mutter Maheu)
Pascal Houdus (Dr. Ramond/Schauspieler Hector/Jean)
Gabriela Maria Schmeide (Gervaise /Madame Caroline/Alzire)
Sebastian Rudolph (Lantier/ Saccard /Étienne Lantier)
Tilo Werner (Coupeau/Bourdoncle/Kritiker/Vater Maheu)
Rafael Stachowiak (Jacques Lantier/ Theaterdirektor Bordenave)
Maja Schöne (Nana/Flore)
Patrick Bartsch (Goujet/ Regenschirmmacher Bourras/Chaval)
Patrycia Ziolkowska (Clémence/Madame Lerat/Denise/Severine)
David Hoffner/ Nikita Lysko/ Goya Brunnert/Jan Bader/ Ole Bader/ Elijah Freeman
sowie Sebastian Doppelbauer, Nikolai Gemel, Andre Grave/Valentin Richter, Thore Lüthje, Romy Lambez
Choreographische Mitarbeit / Choreografic Collaboration Ted Stoffer
Pressefotos (c) Armin Smailovic
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