maj(i)e der Tutukleider_tutu clothes

Kollektion maje 2015 © Jorinde Reznikoff Kollektion maje 2015 © Jorinde Reznikoff

Spiel mit der Leichtigkeit

 

The_Dancer_-_Pierre-Auguste_Renoir
The Dancer von Pierre-Auguste Renoir

Ein luftig-bauschiger Rock aus mehreren Lagen tanzt bei jedem Schritt mit und lässt durchblicken. Zumindest ein wenig auf das, was unter dem Rock ist: Beine oder noch ein Rock – oder es bleibt eben schleierhaft. Das französische Label Maje spielt mit dem Thema seit ein paar Kollektionen schon, ich  gerne mit – und mag den Bezug zur Historie dieser Rockform. Es ist die eines Tanzrocks, Tutu genannt, wohl eine Verhallbornung von cucu=cul=Po, auf den der Blick im Laufe der Tanzgeschichte frei wird. Doch erst einmal auf die Füße, welche sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Spitzenschuhen der Sehnsucht nach Leichtigkeit und dem Unsichtbaren sichtbar entgegenstrecken. Die Tutus werden dann rasch immer kürzer, bis sie tellerartig-steif abstehen und die virtuos ausgefeilte Beinarbeit ganz sehen lassen, eine geometrische Chiffrierung und Abkürzung von Tutu, die Haltung und Sinnlosigkeit suggeriert.

Maria Taglioni war eine ihrer ersten Meisterinnen. Sie verkörperte „La Sylphide“ 1832 im gleichnamigen Ballett an der Pariser Oper, dem Inbegriff des frühromantischen Balletts, auf dem immer elaborierteren Spitzenschuh-Fuß gefolgt von „Giselle“ 1841, einem Ballett, welches vom tödlich ernsten Wesen des Tanzes selbst erzählt. Es ist ein hartes Geschäft mit der Leichtigkeit, das Schweben will der Schwerkraft abgerungen werden. Da bleibt dem Klischee der rosaroten Tutus nichts mehr übrig. Dem Spiel mit dem Klischee und ballettösen Assoziationen jedoch ein weites Feld. Auf dem probieren sich Designer immer wieder gerne aus, auch direkt als Kostümbildner in Tanztheater und Ballett. In den letzten Jahren in bemerkbar tragbarer, lustiger und lustvoller Weise maje. Ihre Kleider fürchten sich übrigens keineswegs vor einer modernen Waschmaschine und trauen sich mit den richtigen Schuhen auf jede Bühne der Welt.

Und last not least Bühne frei für: Rudolf Nurejew tanzt mit Miss Piggy Schwanensee.

Mehr über Judith Milgrom, die Gründerin des französischen Labels maje und ihre Projekte. Und falls Ihr Lust auf Tutukleider bekommen haben solltet, tragt bitte keine spitzigen Schuhe dazu, also weder betanzbare Spitzen noch spitze Spitzen noch spitze Heels, sondern Turnschuhe oder klotzige Boots:

yes, there are some shoes ….
yes, there are some shoes ….
doch doch da sind Schuhe dran...
doch doch da sind Schuhe dran…
si, il y a des chaussures...
si, il y a des chaussures…